Fast 2000 Jahre ist das Zeitungswesen unserer Erde alt.  Als älteste Zeitung der Welt gilt die "Pekinger Zeitung", die bis 1935 erschien und auf ein 1572-jähriges Erscheinen zurück blicken konnte. Die erste deutsche Zeitung wurde im Jahre 1542 im Rheinland herausgegeben. Ort und Verleger sind unbekannt. Sie erschien auch nur bei besonderen Anlässen. Die erste regelmäßig erscheinende Zeitung wurde in Frankfurt am Main gedruckt. Es war die im Jahr 1615 gegründete "Frankfurter Oberpostamtszeitung", die 1866 in "Frankfurter Journal", umbennant wurde. Gemessen an der Geschichte dieser Druckerzeugnisse ist das Zeitungswesen unserer Heimatzeitung natürlich bedeutend jünger. Als erste Zeitung im Kreisgebiet überhaupt erschien am 30. Oktober 1848 das "Wochenblatt des Regierungsbezirks Dieburg" im Verlag und der Druckerei der Gebr. Rachor, Dieburg.

Es war ein kleines Blättchen von vier Seiten, im Format von etwa 20 x 15 cm. Aus dieser Zeitung erwuchs später das "Anzeigeblatt" für die Kreise Dieburg und Neustadt, das anschließend bis 1941 den Namen "Starkenburger Provinzialzeitung" trug. Der bis Ende 1989 im Verlag von H. Hermann Erbe und im Anschluss bis heute im Pressehaus Blintz Verlag GmbH & Co.KG, Verlag der Offenbacher-Post, erscheinende "Dieburger Anzeiger" ist die Fortsetzung dieser ältesten Heimatzeitung des ehemaligen Landkreises Dieburg.

 

Die erste Groß-Umstädter Zeitung wurde am 1. Juli 1869 als "Odenwälder Bote" - "Groß-Umstädter Wochenblatt" von dem bekannten Sparkassenrechner und Landtagsabgeordneten Jakob Lautz gegründet. Dieser zeichnete verantwortlich für Druck, Verlag und Redaktion.

Sofort setzte nun im Kreisgebiet ein scharfer Konkurrenzkampf zwischen den beiden im Landkreis erscheinenden Zeitungen ein, der manches mal nicht ganz fair geführt wurde. Besonderes in den Zeiten des Kulturkampfes fanden heftige Pressefehden statt. Stand das Dieburger Blatt mehr dem "Zentrum" nahe, so unterstütze das Umstädter Blatt die "National-Liberalen". Im Jahre 1874, als aus Anlass des Wahlsieges der National-Liberalen der Regierungskult sich auch in Hessen wandelte, wurde dem   "Odenwälder Bote" der Charakter des "Amtlichen Kreisblatt für den Landkreis Dieburg" übertragen, den seither das Dieburger Blatt innegehabt hatte. Das war für den "Odenwälder Bote"  von großem Wert, weil es als Amtsblatt alle Behörden zwangsläufig in jedem Ort des Kreisgebietes gehalten werden musste. Leider konnte der energiegeladene und zielbewusste Redakteur Lautz infolge Arbeitsüberlastung ab 1. Januar 1877 nicht mehr federführend sei. Er verpachtete seine Druckerei nebst Verlag, die sich übrigens im Hirschwirtshaus am Markt befand, an Georg Müller, Lengfeld, und Georg Lindauer, Groß-Umstadt. Ersterer zeichnet als Schriftleiter, letzterer als Drucker und Verleger verantwortlich.

Ab 1884 übernahm Georg Lindauer durch Kauf, Verlag, Redaktion und Drucker. Er siedelte später in das erbaute repräsentative Geschäftshaus in der damaligen Bismarckstraße (heute Carlo-Mierendorff-Straße) über, wo sein Sohn Paul Lindauer als sein Nachfolger bis Herbst 1932 den "Odenwälder Bote" weiter druckte und herausgab. In der Zwischenzeit wurde am 5. August 1899 durch Wilhelm Wolf, Schillerstraße (heute Frankenstraße), ein zweites Heimblatt, die "Groß-Umstädter Zeitung" ins Leben gerufen. Dieses Blatt bezeichnete sich als unpolitische Wochenzeitung und erschien, wie der "Odenwälder Bote", wöchentlich zweimal.  Am 1. Januar 1922 stellte diese Zeitung nach zweiundzwanzigjähriger Lebensdauer ihr Erscheinen ein.

Im Jahre 1921 gründete Buchdruckereibesitzer Georg Himmelheber den "Groß-Umstädter Lokal-Anzeiger". So traf es sich, dass Groß-Umstadt im letzten Viertel des Jahres 1921 drei Heimatzeitungen hatte. Aber auch dieses kleine Blatt konnte sich nicht halten und erschien im Herbst 1922 nicht mehr. Nur der "Odenwälder Bote" blieb weiterhin das alleinige Umstädter Heimatblatt, wenn auch nicht mehr in der überragenden Bedeutung, die er früher hatte.

Durch die Initiative von Buchhändlern Karl Zibulski wurde am 1. Oktober 1927 im Verlag und Druck der Firma Rückziegel und Ketzler, Aschaffenburg, die Groß-Umstädter Zeitung wieder ins Leben gerufen. Der Aschaffenburger Verlag konnte jedoch die Zeitung leider nicht lebensfähig erhalten und verkaufte alle Rechte der Buchdruckerei Gg. Himmelheber ab 28. September 1928. Diese Firma übernahm ab 1. Oktober 1932 auch den "Odenwälder Bote", welcher dann ab, 1. Januar 1933 als gemeinsames Blatt unter dem Titel "Groß-Umstädter Zeitung - Odenwälder Bote" erschien. Durch die Kriegs- und politischen Verhältnisse bedingt stellte sie am 1. August 1940 ihr Erscheinen ein. Über 70 Jahre Umstädter Heimatzeitungsgeschichte hatte damit sein vorläufiges Ende gefunden.

Wenn man diese noch vervollständigen will, dürfen wir vier Blätter nicht vergessen, die ebenfalls versuchten in Groß-Umstadt und Umgebung heimisch zu werden; es sind dies von K. Zibulski Ende 1955 ins Leben gerufene "Otzbergtürmer" die im Mai von nationalsozialistischer Seite versuchten "Groß-Umstädter Nachrichten", der 1955 von H.Roller herausgegebene "Kreis-Kurier" und die von Sept. 1976 bis März 1990 von A. Mohr verteilte "Neue Umstädter". Alle diese Zeitungen konnten sich nicht halten und kamen bis auf letztere nur mit einigen Ausgaben heraus. Nach dem Zusammenbruch waren den Heimatzeitungen wieder einige Chancen eingeräumt worden. Unter anderem im Kreisgebiet wurden auch ab 1. Juli 1950 in Groß- Umstadt wieder eine eigene Heimatzeitung herausgegeben.

Es war zuerst ein kleines Blättchen im DIN-A-4 Format. Man gab ihm vorläufig den Namen " Umstädter Lokal-Anzeiger mit dem Untertitel "Odenwälder Bote" und "Groß-Umstädter Zeitung". Damit wollte man bewusst wieder an die alte Umstädter Zeitungstradition anknüpfen. Den Druck besorgt Gg. Himmelheber, die Schriftleitung übernahm Gg. Füßler, der Verlag war gemeinsam. Das Heimatblättchen kam gut an, so dass man es ab 1951 im Großformat herausgeben konnte.

Im gleichen Jahr verstarb Gg. Himmelheber, worauf die Druckerei von Gg. Füßler pachtweise weitergeführt wurden. Damit war die weitere Herausgabe gesichert. 1955 errichtete der Inhaber in der Realschulstraße 5 ein eigenes Druckerei - und Verlags Gebäude, ab 1954 wurde im Haupttitel der alte Name "Odenwälder Bote" wieder geführt und am 1. Januar 1961 die Firma in eine Familien Kommandit - Gesellschaft unter dem Namen "Odenwald-Druck und Verlag, Georg Füßler KG" umgewandelt.

Hauptinhaber wurde Richard Füßler , gleichzeitig Verlagsinhaber, während Mitinhaber Georg Füßler Hauptschriftsteller blieb. 1971 verstarb Georg Füßler. 1974 wurde die KG aufgelöst. Richard Füßler übernahm als Alleininhaber den Odenwald-Druck und Verlag Gg. Füßler so wie die Hauptschriftleitung des Odenwälder Bote.

Durch Beschluss des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung wurde der Odenwälder Bote ab 1.12.1967 zum Amtsverkündigungsorgan der Stadt Groß-Umstadt. Im Jahr 2001 erfolgte eine Unternehmenstrukturierung. Die bisher von Richard Füßler geführten Geschäfte wurden ab 1. September 2001 von der Odenwald-Druck und Verlag GmbH weitergeführt. Als Geschäftsführer wurde Dipl.-Ing. Georg Helwig eingesetzt.

 

In den Gebäuden, rechts im Bild, dem Hirschwirtshaus auf dem Markt, wurde am 1. Juli 1896 die erste Ausgabe des "Odenwälder Bote" gedruckt.